DPI-Mathematik 72/96/150/300: welche Auflösung wann
DPI ist eine simple Formel: pixel = inch * dpi. Aber in der Praxis verstecken sich Fallstricke. Eine 100-mm-Logo-EPS bei 300 dpi ergibt 1181 Pixel Breite und kann auf dem Smartphone-Browser den Tab crashen lassen. Hier steht, wie die Mathematik genau funktioniert, was der EPS-BoundingBox-Header dazu sagt und welche DPI-Wahl für welchen Anwendungsfall richtig ist.
Von Mateusz Viola
Betreiber · WASM-Engine & DPI-Mathematik
Veröffentlicht am 10.06.2026 · Zuletzt geprüft am 10.06.2026
Die Grundformel: pixel = inch * dpi
DPI heißt dots per inch (Punkte pro Zoll). Im Kontext einer EPS-zu-JPG-Konvertierung beschreibt DPI, wie dicht die Pixel im resultierenden JPG gepackt werden. Die Formel ist trivial:
pixel = inch * dpi
Ein 1 Zoll breites Element bei 72 dpi ergibt 72 Pixel Breite. Bei 300 dpi sind es 300 Pixel. Ein Zoll entspricht 25,4 mm, ein PostScript-Punkt ist als 1/72 Zoll definiert.
EPS-Dateien selbst haben keine DPI. Sie sind Vektor-Daten, die in PostScript-Punkten beschrieben werden (1 Punkt = 1/72 Zoll). Der DPI-Begriff wird erst relevant, wenn die Vektor-Daten zu Pixel-Daten rasterisiert werden, also genau im Konvertierungsschritt. Eine EPS mit BoundingBox 200x100 Punkten kann bei 72 dpi zu 200x100 Pixeln werden, bei 300 dpi zu 833x417 Pixeln, ohne dass sich die EPS-Datei selbst verändert.
Der EPS-BoundingBox-Header
Jede EPS-Datei beginnt mit einem ASCII-Header. Eine typische Zeile sieht so aus:
%%BoundingBox: 0 0 200 100
Die vier Zahlen sind links unten und rechts oben der Bounding-Box-Rechtecks, in PostScript-Punkten. Dieses Beispiel beschreibt eine Grafik, die 200 Punkte breit und 100 Punkte hoch ist. Umgerechnet sind das (200/72)*25,4 = 70,6 mm Breite und 35,3 mm Höhe.
Bei einer real existierenden Visitenkarten-Logo-EPS (typisch 85x50 mm) ergeben sich aus der BoundingBox folgende Pixel-Werte:
| DPI | mm-Breite | Pixel-Breite | Pixel-Höhe | RGBA-RAM | JPG-Grösse |
|---|---|---|---|---|---|
| 72 | 85 | 241 | 142 | 137 KB | ca. 8 KB |
| 96 | 85 | 321 | 189 | 243 KB | ca. 12 KB |
| 150 | 85 | 502 | 295 | 593 KB | ca. 25 KB |
| 300 | 85 | 1004 | 591 | 2,4 MB | ca. 90 KB |
Die RAM-Spalte ist wichtig: Ghostscript.js allokiert intern einen RGBA-Pixel-Buffer (4 Byte pro Pixel) plus eine OffscreenCanvas-Kopie. Bei einer 85x50-mm-Visitenkarte bei 300 dpi sind das schon rund 5 MB Browser-RAM nur für diese eine Konvertierung. Auf modernen Desktops kein Problem, auf mobilen Browsern ein realer Faktor.
Web-Einsatz: 72 oder 96 dpi reicht
Für JPGs, die nur auf Webseiten, in Social-Media-Posts oder Präsentationen verwendet werden, sind 72 oder 96 dpi optimal. Mehr ist Verschwendung, aus drei Gründen:
- Browser rendern HTML und CSS in 96 dpi unabhängig vom physischen Display. Ein 200x200-Pixel-JPG auf einer Seite ist auf jedem Display physisch 200x200 CSS-Pixel breit.
- Moderne Retina- und HiDPI-Displays mit physisch 220 dpi zeigen das gleiche Bild trotzdem scharf, weil der Browser per Hardware-Skalierung hochrechnet. Das funktioniert verlustfrei beim Upscaling von 96 dpi auf 220 dpi.
- Kleinere Datei-Grössen laden schneller, was den Core-Web-Vitals-Wert Largest Contentful Paint verbessert. Eine 8-KB-JPG lädt 10-mal schneller als eine 80-KB-JPG bei vergleichbarer visüller Qualität.
Faustregel: Wer das JPG nicht physisch ausdrucken will, wählt 72 oder 96 dpi. epsjpg.de hat 96 dpi als Default für Web-Use-Cases, weil es das Browser-Standard-DPI ist.
Print-Einsatz: 150 oder 300 dpi
Für gedruckte Verwendung gelten andere Regeln. Druckmaschinen arbeiten mit Raster-Frequenzen, die die Pixel-Dichte in physische Tinten- oder Toner-Punkte umrechnen.
- Inkjet-Drucker im Büro (150 dpi): Heim- und Office-Drucker arbeiten mit Druck-Auflösungen zwischen 600 und 1200 dpi pro Druckkopf-Durchgang. Sie verteilen die Tinten-Tropfen aber über mehrere Pixel des Quellbilds. 150 dpi im Quell-JPG reicht für eine sichtbar saubere A4-Ausgabe.
- Laserdrucker (150 bis 300 dpi): Hängt von der Druck-Auflösung des Geräts ab. Mittelklasse-Laserdrucker drucken in 600 dpi, brauchen aber wegen Toner-Verteilung nur 150 dpi Quell-Daten. Profi-Laser mit 1200 dpi profitieren von 300 dpi Quelle.
- Offsetdruck (300 dpi Pflicht): Visitenkarten, Flyer, Broschüren, Magazine. Die Druckmaschine arbeitet mit Raster-Frequenzen von 60 bis 80 Linien pro Zentimeter (150 bis 200 lpi). Industrie-Standard ist hier 300 dpi, weil 2-mal lpi für klares Raster nötig ist (Nyquist-Theorem-äquivalent).
- Grossformatdruck (Plakate, Banner): Hier reichen oft 100 bis 150 dpi, weil der Betrachtungs-Abstand gross ist. Ein A0-Plakat aus 2 Metern Entfernung betrachtet braucht keine 300 dpi.
Render-Zeit wächst quadratisch
Die Render-Zeit ist nicht linear mit DPI, sondern quadratisch mit der Pixelanzahl. Eine 300-dpi-Konvertierung dauert etwa 16-mal so lange wie eine 72-dpi-Konvertierung der gleichen EPS. Auf einem Mittelklasse-Laptop (Intel i5, 2023) sind das typische Werte:
| EPS-Komplexität | 72 dpi | 96 dpi | 150 dpi | 300 dpi |
|---|---|---|---|---|
| Einfaches Logo (10 Linien) | 0,4 s | 0,7 s | 1,6 s | 6,5 s |
| Mittleres Logo (Gradient + Text) | 1,2 s | 1,9 s | 4,5 s | 17,5 s |
| Komplexe Vektorgrafik (1000 Pfade) | 3,8 s | 6,1 s | 14,3 s | 53,5 s |
Die Werte sind in WASM-Browser-Umgebung gemessen und liegen rund 30 bis 50 Prozent über den nativen Ghostscript-Werten auf einem Server-CPU. Wer eine komplexe EPS bei 300 dpi konvertieren will, sollte mit 150 dpi anfangen und nur dann auf 300 dpi gehen, wenn das Ergebnis nicht reicht.
Datei-Grösse: JPG-Qualität minus DPI
JPG nutzt verlustbehaftete Kompression nach ISO/IEC 10918-1 (Joint Photographic Experts Group, 1992). Die Effizienz der Kompression hängt von der Bild-Komplexität ab. Eine Faustregel:
- Logo mit großen einfarbigen Flächen: JPG komprimiert sehr gut, 5 bis 15 KB pro Megapixel.
- Foto-ähnlich (Gradients, Texturen): JPG komprimiert mittel, 30 bis 80 KB pro Megapixel.
- Hochauflösend mit feinen Details: JPG komprimiert schlecht, 100 bis 200 KB pro Megapixel.
Wer kleinere Dateien braucht, kann das JPG nach der Konvertierung mit einem Optimierer wie squoosh.app oder tinypng.com weiter komprimieren. Die Quality-90-Einstellung von epsjpg.de ist konservativ, weiteres Komprimieren auf Quality 80 spart oft 30 Prozent Grösse ohne sichtbaren Qualitäts-Verlust.
Mein Fazit zur 300-dpi-Grenze
Die 300-dpi-Option ist in der UI da, weil sie für Profi-Druck zwingend ist. In der Praxis empfehle ich aber, 150 dpi als Default zu nutzen und nur bei Bedarf auf 300 dpi hochzuschalten. Gründe:
- 90 Prozent der Anwendungsfälle sind Web oder Büro-Druck, da reicht 150 dpi.
- 300 dpi konvertiert 4-mal langsamer als 150 dpi und produziert 4-mal grössere Dateien.
- 300 dpi kann auf schwacher Hardware (mobile Browser, alte Laptops) den Tab crashen lassen.
Wer eine Visitenkarte oder einen Flyer in den Profi-Offsetdruck gibt, braucht 300 dpi. Wer ein Logo für Slack oder ein PDF braucht, sollte 150 dpi wählen. Default in epsjpg.de ist 150 dpi mit Qualität 90, was für 90 Prozent der Fälle die richtige Wahl ist.
FAQ
Häufige Fragen
Was bedeutet DPI genau?
DPI heißt dots per inch (Punkte pro Zoll). Im Konvertierungs-Kontext ist DPI die Pixel-Dichte des resultierenden JPG: pixel = inch * dpi. Ein 1 Zoll breites Element bei 72 dpi ergibt 72 Pixel Breite, bei 300 dpi ergibt 300 Pixel Breite. EPS-Dateien haben selbst keine DPI, sondern eine Punkt-basierte BoundingBox (1 PostScript-Punkt = 1/72 inch). Erst beim Rasterisieren in JPG wird DPI relevant.
Welche DPI für Web?
72 oder 96 dpi reicht. Browser rendern CSS in 96 dpi unabhängig vom physischen Display, und ein 200x200-Pixel-JPG ist auf jedem Display 200x200 CSS-Pixel breit. Höhere DPI ist Verschwendung, weil die Datei nur grösser wird, ohne sichtbar besser zu sein.
Welche DPI für Druck?
Heim- und Office-Drucker: 150 dpi reicht. Profi-Offsetdruck (Visitenkarten, Flyer, Magazine): 300 dpi ist Standard wegen Raster-Frequenz (typisch 150 bis 200 Linien pro Zoll). Grossformat-Plakate aus Distanz: 100 bis 150 dpi reicht, weil der Betrachtungs-Abstand gross ist.
Warum kann 300 dpi den Browser-Tab crashen lassen?
WebAssembly hat ein linear-memory-Modell. Bei 300 dpi und einer 100x100-mm-EPS allokiert die Engine rund 5,5 Megapixel als RGBA-Buffer, das sind 22 MB. Auf 32-Bit-Browsern (mobile Safari, alte Chrome-Builds) ist das nahe an der Stack-Grenze. Bei einer A4-EPS bei 300 dpi werden 8,7 MP allokiert = 35 MB, plus OffscreenCanvas-Kopie = 70 MB. Mobile Tabs kollabieren da regelmässig.
Wie kann ich die Pixel-Grösse vorher berechnen?
Mit der Formel pixel = (BoundingBox-Punkte / 72) * dpi. Eine EPS mit BoundingBox 200x100 (Punkte) ergibt bei 300 dpi (200/72)*300 = 833 x (100/72)*300 = 417 Pixel. epsjpg.de zeigt diese Vorab-Berechnung direkt im Tool, sobald die Datei geladen ist.
Quellen
Weitere Ratgeber