JPG-Standard ISO 10918: warum 1992 alles änderte

JPG ist das am häufigsten verwendete Bildformat im Web und im Druck. Hinter den drei Buchstaben steckt eine fünfjährige Standardisierung durch eine internationale Arbeitsgruppe und eine Mathematik, die das Sehen des Menschen mit Bildkompression verbindet. Hier steht, wie das funktioniert und warum 1992 das Jahr war, das alles änderte.

7 Min. Lesezeit 1.282 Wörter
Jan-Tristan Rudat

Von Jan-Tristan Rudat

Redakteur · PostScript-Historie & Bildformat-Standards

Veröffentlicht am 09.06.2026 · Zuletzt geprüft am 09.06.2026

1986: Die JPEG-Arbeitsgruppe entsteht

In der Mitte der 1980er-Jahre wurde digitales Bild-Speichern ein Problem. Computer wurden schneller und konnten Bilder darstellen, aber Festplatten waren teuer (1986: 10 MB Festplatte kostete 1.000 US-Dollar) und Netzwerke langsam (Modem-Datenraten von 1200 Baud bedeuteten ein paar Sekunden für ein Kilobyte). Ein unkomprimiertes 24-Bit-Farbbild von 1024×768 Pixel war 2,25 MB groß. Das passte fast auf eine 1,44-MB-Diskette nicht drauf.

Die International Organization for Standardization (ISO) und die International Telegraph and Telephone Consultative Committee (CCITT, heute ITU-T) gründeten 1986 die Joint Photographic Experts Group (JPEG). Die Arbeitsgruppe hatte ein klares Ziel: ein Bildkompressions-Standard, der für photographische Bilder funktioniert und auf der Mathematik moderner Signal-Verarbeitung basiert.

Die Mitglieder der JPEG-Gruppe kamen aus Universitäten, Bildverarbeitungs-Firmen und Telekommunikations-Anbietern. Diskussionen zogen sich über fünf Jahre. Konkurrierende Vorschläge wurden eingereicht, getestet und verglichen. Die Wahl fiel schließlich auf einen Ansatz von Adam Wallace und seinen Kollegen, basierend auf der Diskreten Kosinus-Transformation (DCT).

Die Mathematik: Diskrete Kosinus-Transformation

JPEG zerlegt jedes Bild in 8×8-Pixel-Blöcke. Jeder Block wird durch eine mathematische Operation transformiert, die das Bild von der “Pixel-Domäne” (Helligkeit pro Pixel) in die “Frequenz-Domäne” (wie schnell sich Helligkeit ändert) umrechnet. Das ist die Diskrete Kosinus-Transformation.

Vereinfacht: ein 8×8-Block enthält Helligkeitswerte. Die DCT verwandelt das in 64 Köffizienten, die angeben, wie stark verschiedene Frequenz-Muster im Block vorhanden sind. Der erste Köffizient ist die mittlere Helligkeit (DC-Wert). Die anderen 63 Köffizienten beschreiben die Variation in steigender Frequenz.

Der Trick: hochfrequente Variationen sind für das menschliche Auge weniger sichtbar als niederfrequente. Das menschliche Sehsystem hat eine begrenzte Wahrnehmung für schnelle Farb-Übergänge im Detail. JPEG nutzt das aus, indem die hochfrequenten Köffizienten stärker quantisiert werden, also durch größere Zahlen geteilt und gerundet, als die niederfrequenten.

Mathematisch:

  • Quantisierung mit Quality 95: hochfrequente Köffizienten werden durch kleine Zahlen geteilt → kaum Verlust
  • Quantisierung mit Quality 60: hochfrequente Köffizienten werden durch große Zahlen geteilt → sichtbarer Verlust
  • Quantisierung mit Quality 30: extreme Division → starke Block-Artefakte

Nach der Quantisierung werden die meisten hochfrequenten Köffizienten zu Null. Die verbleibende Zahlen-Matrix kann mit Huffman-Encoding sehr effizient gespeichert werden.

JPEG-Pipeline: Vom Pixel zur komprimierten Datei Eingabe-RGB 24 bit/Pixel YCbCr-Cvt Hell + Farb-trennung DCT 8×8 Frequenz-Domäne Quantisierung Quality 1-100 Huffman JPG-Datei Verlust-Quellen pro Schritt YCbCr-Cvt: Chroma-Subsampling (Farb-Auflösung halbiert) Quantisierung: hochfrequente Köffizienten zu Null gerundet, der größte Verlust-Faktor
JPEG-Kompressions-Pipeline. Jeder Schritt ist mathematisch nachvollziehbar. Die Quantisierungs-Stufe ist der einzige Verlust-Schritt, alle anderen sind reversibel.

1992: Der Standard wird publiziert

Im September 1992 veröffentlichte die International Telegraph and Telephone Consultative Committee (CCITT) die Empfehlung T.81. Diese definierte das JPEG-Verfahren technisch. Parallel arbeitete ISO an der gleichen Spezifikation als ISO/IEC 10918, die 1994 als Standard publiziert wurde. Beide Dokumente sind technisch identisch und werden synonym als JPEG-Standard bezeichnet.

ISO/IEC 10918 hat vier Teile:

  • Teil 1 (1994): Anforderungen und Richtlinien (das Kompressions-Verfahren)
  • Teil 2 (1995): Konformitäts-Tests
  • Teil 3 (1997): Erweiterungen (für höhere Bit-Tiefen, lossless-Modi)
  • Teil 4 (1999): Registrierung der JPEG-Profile

Wichtig für uns: Teil 1 (1994) ist die produktive Spezifikation. Der ITU-T-Vorgänger T.81 von 1992 ist inhaltlich identisch.

Parallel zur Veröffentlichung der Spec gründete sich die Independent JPEG Group (IJG) als Open-Source-Initiative. Sie veröffentlichte 1991 die erste Version von libjpeg, einer C-Library, die das JPEG-Verfahren implementierte. libjpeg wurde innerhalb weniger Jahre zur dominierenden Implementierung weltweit. Praktisch jede heutige Software, die JPG liest oder schreibt (inklusive Ghostscript), nutzt libjpeg oder eine Weiterentwicklung wie libjpeg-turbo.

1990er: JPG erobert das Web

Das Web entstand 1991 mit dem ersten Browser von Tim Berners-Lee. Im NCSA-Mosaic-Browser (1993) war JPG bereits eines der unterstützten Bildformate, neben GIF (CompuServe, 1987). GIF war bis dahin dominant, hatte aber Lizenz-Probleme (Unisys hielt ein Patent auf LZW-Kompression) und war auf 256 Farben beschränkt.

JPG war patent-frei (offizieller Standpunkt der JPEG-Gruppe), konnte 24-Bit-Farben, und komprimierte deutlich besser als GIF für Photos. Innerhalb von zwei Jahren war JPG das Standard-Format für photographische Web-Bilder.

Adobe Photoshop 2.0 (1991) unterstützte JPG-Export von Anfang an. Microsoft Internet Explorer (1995) zeigte JPG im Browser. Die ersten Digitalkameras (Kodak DCS-100, 1991) speicherten in JPG.

Bis Ende der 1990er-Jahre war JPG das De-facto-Standard für Bilder im Internet, in E-Mails, auf Web-Servern und auf Foto-CDs. Diese Dominanz hat sich bis heute gehalten.

Subsampling und das Auge

Ein technisches Detail, das den JPG-Erfolg ermöglicht hat: Chroma-Subsampling. JPG speichert nicht RGB direkt, sondern konvertiert in YCbCr:

  • Y (Luma): Helligkeit
  • Cb (Chroma blü): Blau-Gelb-Achse
  • Cr (Chroma red): Rot-Grün-Achse

Das menschliche Auge hat etwa 6 Millionen Zapfen für Farb-Wahrnehmung und 100 Millionen Stäbchen für Helligkeit. Helligkeit nehmen wir also etwa 16-mal feiner wahr als Farbe. JPG nutzt das aus, indem die Chroma-Kanäle in halber Auflösung gespeichert werden (4:2:0 Subsampling). Das spart 50 Prozent Datenmenge bei kaum sichtbarem Verlust.

Mit Subsampling kommt JPG auf typische Kompressions-Raten von 10:1 bis 20:1 bei photographischen Bildern bei Quality 80 bis 95. Ein unkomprimiertes RGB-Bild von 5 MB wird zu einer 250-KB-JPG-Datei. Das ist die Magie, die das Format so populär gemacht hat.

Heute: JPG, WebP, AVIF im Vergleich

WebP (Google, 2010) und AVIF (Alliance for Open Media, 2019) sind moderne Nachfolger mit besserer Kompression. Bei gleicher visüller Qualität:

  • JPG: 100 Prozent (Baseline)
  • WebP: 70 bis 75 Prozent
  • AVIF: 50 bis 60 Prozent

AVIF basiert auf der AV1-Video-Kompression und ist deutlich aufwändiger zu encodieren. Browser-Support: Chrome 85+ (2020), Firefox 86+ (2021), Safari 16.4+ (2023). Heute (2026) ist AVIF-Support universell auf allen aktuellen Browsern.

Trotzdem bleibt JPG der Standard für Allgemein-Anwendungen. Gründe:

  • Kompatibilität: Jede Software seit 1992 kann JPG lesen, AVIF nur seit 2020
  • Encoder-Geschwindigkeit: JPG-Encoding ist 5- bis 10-mal schneller als AVIF
  • Druck-Industrie: Druck-Workflows arbeiten mit JPG seit 30 Jahren, AVIF ist dort kaum etabliert
  • E-Mail-Anhänge: Outlook-Vorschau, Apple Mail, Gmail zeigen JPG nativ, AVIF teilweise nicht

epsjpg.de produziert JPG. Wer das Output später nach WebP oder AVIF konvertieren will, kann das mit squoosh.app (Google) oder cwebp / avifenc (CLI-Tools) machen.

Warum JPG bleibt

JPG ist ein Standard aus 1992, der eine Mathematik aus den 1980er-Jahren nutzt, um photographische Bilder effizient zu speichern. Er hat die zentralen Eigenschaften richtig getroffen: gute Kompression für reale Bilder, einfache Spezifikation, patent-frei, kompatibel mit jedem System.

33 Jahre später ist JPG immer noch dominant. Modernere Formate gewinnen langsam Marktanteile, aber für maximale Kompatibilität und ein vertrauter User-Workflow bleibt JPG die richtige Wahl. epsjpg.de schließt sich dem an: Wer eine EPS-Datei hat und ein universell lesbares Bild braucht, bekommt JPG.

Korrekturwünsche zur JPG-Historie oder zu den Kompressions-Details gehen an info@akara-solutions.de.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen JPG und JPEG?

Funktional kein Unterschied. JPEG steht für Joint Photographic Experts Group, die Arbeitsgruppe die den Standard entwickelt hat. Die Datei-Endung JPG kommt aus der Windows-95-Zeit, als Datei-Endungen auf drei Zeichen begrenzt waren. JPEG und JPG sind identisch, nur unterschiedliche Schreibweisen für die gleiche Datei.

Warum heißt es verlustbehaftete Kompression?

Beim Speichern einer JPG-Datei werden Bildinformationen weggeworfen, die das menschliche Auge wenig wahrnimmt. Konkret: hochfrequente Farb-Übergänge werden vergröbert, weil das Auge weniger empfindlich auf Farb-Details ist als auf Helligkeits-Details. Die weggeworfene Information ist nicht wiederherstellbar. Bei sehr hohen Kompressionen sieht man die Artefakte (Block-Strukturen, Ringe an Kanten).

Was ist die JPG-Quality-Einstellung?

Eine Zahl zwischen 1 und 100, die steuert, wie aggressiv komprimiert wird. 100 ist quasi verlustfrei, 1 ist extrem komprimiert mit sichtbaren Artefakten. Die meisten Konverter nutzen 85 bis 95 als Default. epsjpg.de nutzt Quality 95, das ist hoch genug für Druck und gibt sauberen Output bei moderater Datei-Größe.

Warum ist JPG schlecht für Logos und Text?

JPG ist optimiert für photographische Bilder mit weichen Farb-Übergängen. Bei Logos mit harten Kanten und Text mit klaren Buchstaben-Umrissen führt die JPG-Kompression zu Ring-Artefakten und Block-Strukturen an den Kanten. Für Logos und Text sind PNG (verlustfrei) oder SVG (Vektor) besser geeignet. JPG für Logos ist nur sinnvoll wenn der Hintergrund einheitlich ist und die Kompression hoch gehalten wird (Quality 95+).

Wird JPG durch WebP oder AVIF abgelöst?

Langsam, aber JPG ist immer noch dominant. WebP (Google, 2010) und AVIF (Alliance for Open Media, 2019) bieten 25 bis 50 Prozent bessere Kompression bei gleicher Qualität. Browser-Support für AVIF ist seit 2022 universell. Die Adoption ist trotzdem langsam, weil JPG seit 33 Jahren in jedem Tool, jeder Kamera und jeder Plattform vorinstalliert ist. epsjpg.de produziert JPG, weil das die maximale Kompatibilität liefert.

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